Reich der Mitte

Kristians Auslandssemester in Qingdao

 
19März
2019

Deutschland in China

Mein eigentlicher Plan war es am Sonntag am Fushan klettern zu gehen, jedoch sind mir alle potentiellen chinesischen Kletterpartner auf Grund eines Geburtstages abgesprungen. Halb so wild, da ich mir so oder so ne echt nervige Erkältung eingefangen habe und Sport ja nicht die beste Medizin ist. Daher beschlossen mein Mitbewohner und ich die Stadt ein bisschen zu erkunden, was wie sich herausstellte eine Aufgabe von mehreren Tagen, wenn nicht Wochen ist. Start war der Platz des 4. Mai's, der Ort an dem dieses große, rote Gebilde steht, was übrigens viel größer ist als ich erwartet habe.

 

Von dort aus ging es weiter die Küste entlang Richtung Westen. Auf diesem Weg kommt man von einer Bucht in die nächste, die alle erstaunlich schön sind und meistens durch einen kleinen Park von der Stadt getrennt sind. So konnten wir erstaunlich lange am Meer entlang gehen, bevor wir dann in den "deutschen" teil der Altstadt kamen.

 

Es ist schon sehr verwirrend, wenn man vor wenigen Minuten vor einem traditionell anmutenden chinesischen Gebäude steht und plötzlich eine Marienstatue im Kreuzgang einer katholischen Kirche bewundern darf, während im Hintergrund der Nachthimmel von einem riesigen leuchtenden Wal, der über die LED Fronten von 5 oder 6 Hochhäusern vor sich hin paddelt, durchbrochen wird... UND DAS ALLES OHNE ALKOHOL!!!

   

Nachtaufnahmen sind weder die stärke von mir, noch von meiner Handykamera, aber ich werde mir mühe geben eine dieser Lichtershows mal einzufangen.

Den gestrigen Tag habe ich genutzt um wieder etwas gesünder zu werden und am Abend mit den ersten Kommilitonen aus Koblenz, die auch von Alexander und Ferdinant vom Flughafen abgeholt wurden abend zu essen. Die nächste Gruppe wird auch diese Woche ankommen, was bedeutet, dass wir dann endlich zusammen mit unserem Chinesischkurs anfangen werden und ich dann hoffentlich endlich die Möglichkeit haben werde zu verstehen was ich hier eigentlich esse.

Mit verschnupften Grüßen

Kristian Wenke

14März
2019

Möge das Lernen beginnen!

Und schon werden die Einträge unregelmäßiger... In den letzten Tagen ist auch nicht viel passiert...

Ich habe mittlerweile die für mich zuständige Professorin und meinen Arbeitsplatz im Laserlabor kennenlernen dürfen. Dort werde ich in den nächsten Monaten hoffentlich viele Versuche durchführen, deren Ergebnisse sammeln und auch ein Thema für meine Bachelorarbeit finden. Aktuell heißt es aber noch lesen, lesen und noch mehr lesen, da ich in der Materie (oder waren es doch Wellen? tongue-out) aktuell noch nicht wirkich drin stecke. Ab nächste Woche darf ich jedoch bei den ersten Versuchen assistieren und mir wurde gesagt, dass ich innerhalb eines Monats meine eigenen Versuche durchführen darf.

Des weiteren findet ab dieser Woche regelmäßig am Mittwoch und Donnerstag Abend die "Deutsche Ecke" statt, ein gemütliches Zusammensitzen von deutschen Studenten, Deutschlehrern und chinesischen Studenten. Es herrscht ein sehr lockeres Klima, da diese Veranstaltung einzig und alleine den Chinesen die Chance geben soll die deutsche Sprache bei kleinen einfachen Unterhaltungen weiter zu vertiefen. Es ist echt lehrreich sich über Hobbys, die verschiedenen Lebensumstände und erstaunlich oft sogar über Politik zu unterhalten. Gerade das letzte Thema war in meinen Augen in China eher ein Tabuthema aber die chinesischen Studenten sehen das anscheinend nicht so eng, was mich wiederum sehr freut. So lerne ich viel mehr über das Leben in China als ich erwartet habe.

Mit wissbegierigen Grüßen

Euer Kristian

10März
2019

Sportliche Bekanntschaften

Gestern habe ich eine erste Antwortsemail von einem Besitzer einer Boulderhalle hier in Qingdao bekommen in der ich eingeladen wurde doch mal vorbei zu schauen, damit man sich mal kennenlernen kann. Gesagt, getan!

Heute Nachmittag kam ich nach etwa einer Stunde in der U-Bahn und einer kleinen verwirrten Suche nach der richtigen Hausnummer an der gesuchten Adresse an. Mit der Dame am Empfang durfte ich in einer Mischung aus Englisch und versuchter Zeichensprache kommunizieren, wobei ein Zettel mit dem schnell notierten Eintrittspreis alles sehr schnell klarstellte. Die Halle ist recht klein, liegt im dritten Stock und hat ein anspruchsvolles Niveau, was ich nach einer etwas längeren Uni bedingten Pause schmerzlich zu spüren bekam. Dadurch wurde erst recht mein Ehrgeiz geweckt in diesem Semester wieder meine alte Form zu erreichen um die qingdaoer Berge ganz auskosten zu können.

Beim bouldern selber kam ich dann auch mit ein paar Chinesen ins Gespräch und es wurden WeChat nummern ausgetauscht. Jetzt bin ich in einer Gruppe aus fast 250 internationalen Kletterbegeisterten, die in Qingdao auch am Fels aktiv sind oder es mal waren. Nächste Woche Sonntag gehts sogar schon zum Fushan zum klettern.

Mit schmerzenden Fingern und besten Grüßen

Euer Kristian

08März
2019

Manchmal passiert auch einfach nichts...

 

Der heutige Tag war im Vergleich zu den letzten relativ ereignislos. Ich bin wieder einmal zum Strand gefahren um dort einen kleinen Erkundungsspaziergang zu machen. Zum Schwimmen ist es mit maximal 12° C leider noch etwas zu kalt und auch der Himmel war nicht mehr so wolkenfrei wie Gestern. Für einige schöne Fotos hat es trotzdem gereicht:

Auf dem Fußweg zurück zum Campus hab ich einen Abstecher in einen Supermarkt gemacht, war dort von der Aufteilung und der Ordnung jedoch so verwirrt, dass ich zum einen nicht alles finden konnte was ich gesucht habe und zum anderen auf dem Weg zum Ausgang mich plötzlich in einer Tiefgarage wiedergefunden habe... Mein Orientierungssinn ist normalerweise nicht von schlechten Eltern aber an die chinesische Ordnung muss ich mich noch etwas gewöhnen... Zumindest komme ich ohne Probleme durch die Straßen von Qingdao, sodass der Heimweg kein Problem mehr war.

Ich hoffe es ist nicht zu enttäuschend, dass ich heute nichts zu berichten habe. Ich warne besser schon einmal vor, dass das sobald ich meine Studium im Labor aufnehme häufiger vorkommen wird. Ich gebe mir trotzdem weiterhin Mühe wenigstens ein paar Bilder hochzuladen :D

Mit recht entspannten Grüßen

Euer Kristian

07März
2019

Hier kommt die Sonne

Als ich heute Morgen aufgewacht bin konnte ich zum ersten mal das Meer von meinem Zimmer aus sehen. Kein Nebel, keine Wolken nur strahlender Sonnenschein. Alexander (sein chinesischer Name ist Wang Xiang) schlug vor dies zum Anlass zu nehmen den Fushan zu besteigen, den ich ja eh noch auf der Suche nach Klettermöglichkeiten besuchen wollte. Also machten wir uns auf zur U-Bahnstation.

Auf der südwestlichen Seite des Berges angekommen machten wir uns an den doch recht steilen Aufstieg über eine ähnliche Treppe wie schon am Jinling. Oben angekommen bot sich uns folgende Aussicht...

   

 ... aber noch keine Kletterfelsen. Auf der Suche nach diesen machten wir uns also daran den kompletten Bergkamm nach Osten hin abzuwandern, was sich als ein anstrengendes Unterfangen mit einer beeindruckenden Aussicht herausstellte. Fast am anderen Ende des Bergkamms angekommen fanden wir was wir suchten: Bohrhaken, essenziell notwendig zur Absicherung am Fels wenn man keine Klemmkeile oder ähnliches zur Hand hat. 

 

Glücklich die gesuchten Klettermöglichkeiten gefunden zu haben machten wir uns im Osten des Fushan an den Abstieg und auf den Weg zur nächsten U-Bahnstation.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ein krasses Beispiel um zu beschreiben wie sehr China im Wandel ist spätestens seit Olympia 2008 in Peking (der Segelteil der Spiele fand in Qingdao stat) werden intensivst Gebäude abgerissen und erneuert, Parks angelegt und das Verkehrsnetz überarbeitet. So ist der Skulpturenpark den ich am Dienstag besucht habe gerade mal zwei Jahre alt und einige Gebäude auf dem Campus sind erst im letzten Jahr hochgezogen worden. Die Busse mit denen ich bisher gefahren bin wiederum sind relativ alt und wenn mal eine Kurve zu schnell angefahren wird (was eher die Regel als die Ausnahme ist) macht man sich schon mal Sorgen um die Stoßdämpfer. Das U-Bahnnetz von Qingdao, das ich heute betreten durfte ist hingegen das modernste welches ich je betreten habe, was vielleicht daran liegt, das es erst seit 2 Jahren in Betrieb ist. Die gerade mal vier Linien decken bisher die vier Universitäten der Stadt und die Innenstadt mit allen Sehenswürdigkeiten ab um es grob zu sagen. Die Gleise sind mit Glasscheiben und automatischen Türen vom Bahnsteig getrennt, sodass das betreten der Bahngleise praktisch unmöglich ist. Alle vier Minuten hat man die Möglichkeit in einen Zug zu steigen... OHNE Verspätung, die gibt es hier nicht (also wirklich nicht!). 

 

Derartige Veränderungen die so schnell durchgeführt werden wirken erst einmal sehr erstaunlich aber all das resultiert aus der Einparteienpolitik in China. Wenn eine Veränderung beschlossen wird muss sie nicht erst noch mit den Koalitionspartnern, geschweige denn der Opposition diskutiert oder darüber verhandelt werden, sie wird einfach durchgesetzt und das meistens so schnell wie möglich. Wenn also die genannten Busse morgen als nicht mehr verkehrstauglich angesehen werden, werden wir in etwa einem Jahr keinen dieser mehr auf den Straßen Qingdaos erblicken.

Mit trotz des kleinen Polittalks sonnigen Grüßen

Euer Kristian

 

PS: Ich habe jetzt auch einen chinesischen Namen den ich mir leicht merken kann, da er meinem Nachnamen sehr nahe kommt: Wang Ke

06März
2019

Die ersten Felsen

Wie die meisten Personen die mich kennen wissen bin ich ein begeisterter Sportkletterer. Dieses Hobby das ich seit der sechsten Klasse mehr oder minder intensiv betreibe bietet einem die Möglichkeit auch im Freien am echten Fels zu klettern. Wie es der Zufall will ("hust...") ist gerade Qingdao mit vielen Bergen in der Stadt und der nähern Umgebung ausgestattet, sodass ich hier hoffentlich meinem Hobby wieder etwas inensiver nachkommen kann. Beispielsweise liegt direkt neben dem Campusgelände der Jinling ein kleinerer Berg, der laut einigen Foren gute Möglichkeiten zum Bouldern bieten soll.

Heute Mittag habe ich mich daher auf den Weg gemacht mir das Areal mal genauer anzuschauen. Über eine kleine Treppe kommt man ohne Probleme bis zum Gipfel des Berges und hat bei gutem Wetter ein gute Sicht über den Stadtteil Laoshan, der Zwischen dem Fushan und den Ausläufern des Laoshangebirge liegt und in dem sich auch der Campus der QUST liegt. Leider kann ich nur Fotos vom Nebel über Qingdao anbieten aber mit denen bekommt man schon einmal eine grobe Vorstellung :P 

Aufstieg zu Jinling Blick zum Fushan Gipfelplateau des Jinling

Aktuell versuche ich die lokale Community von Kletterern in Qingdao zu kontaktieren um mehr Informationen über die genaue Verortung der Felsen und der regionalen Regularien zu erhalten aber hoffe bald meine ersten Routen klettern oder wenigsten bouldern zu können.

Mit motivierten Grüßen

Kristian Wenke

05März
2019

Essen wie ein Kaiser, wohnen wie ein König

Heute durfte ich zum ersten mal die hoch gelobte Mensa der Universität testen.

Gegen Mittag wurde ich wieder von den beiden Chinesen Alexander und Ferdinant abgeholt um mit ihnen essen zu gehen. Die Mensa des Campus, die etwa 150m von meiner WG entfernt ist liefert auf drei Etagen eine kulinarische Vielfalt Asiens die ich so noch nicht gesehen habe. Zwischen vielen kleinen Ständen die Dinge anbieten die ich noch nicht zuordnen kann, die aber unglaublich gut riechen finden sich sogar zwei Restaurants in ein und dem selben Gebäude. Die Preise sind für mein Laien-Auge recht moderat, sodass ich eine große Portion Huang Men Ji (ne super leckere, leicht scharfe Suppe mit Paprika und Huhn) mit Reis und einen Großen Tee für 19 Yuan (2,50 Euro) erhalten habe.

Huang Men Ji

Im Verlaufe des Tages wurde dann noch weiter der Campus erkundet und Alexander und zwei seiner Mitbewohner haben mich zum Strand geführt was mit etwa 5 Minuten Bus fahren verbunden war. Dort sind wir die Promenade entlanggelaufen und mir wurden einige interessante Skulpturen in einem Park gezeigt. Später bin ich dann noch mit Alexander und einem weiteren seiner Mitbewohner essen gegangen.

Wer sich jetzt fragt wie viele Mitbewohner es denn noch gibt ist da auf ein interessantes Thema gestoßen. Alexander und Ferdinant wohnen zusammen mit vier weiteren Personen in EINEM Zimmer. Dieses Zimmer ist laut ihrer aussage etwas größer als das in dem ich bin, was nach deutschen Standards mit etwa 13 Quadratmetern für eine Person ein echt gute Größe hat aber bei Sechs Personen doch relativ eng wird. Die Jungs wirkten alle recht zufrieden damit und was mir besonders auffiel war, dass sie alle ein wirklich gutes Deutsch sprechen. Dies ist auch nötig, da sie in den nächsten Semestern einige Semester in Deutschland studieren werden müssen um ihr Studium abzuschließen. Ich hoffe ich kann mich mit ihnen nochmal treffen wenn ich wieder zurück bin.

Wo ich gerade beim Thema Mitbewohner bin, mein Mitbewohner ist heute aus Deutschland wieder eingetroffen. Lennart ist bereits seit einem Semester in Qingdao und hat in den Semesterferien seine Familie besucht. Viel konnten wir noch nicht reden, da ich die meiste Zeit unterwegs war aber ich freue mich schon auch ihn genauer kennen zu lernen.

Mit optimistischen Grüßen 

Euer Kristian

04März
2019

Überflutung neuer Eindrücke

Alles ist so neu, alles ist so anders...

Nachdem ich den Flug nach Shanghai und damit die Einreise nach China und den Weiterflug nach Qingdao gut, wenn auch etwas verspannt, überstanden hatte wurde ich am Flughafen von zwei chinesischen Herren meines Alters, die ein Schild mit meinem Namen in der Hand hielten Empfangen. Sie Stellten sich mir in einem äußerst passablen deutsch als Alexander und Ferdinant vor.

Die genannten Namen sind natürlich nicht ihre Geburtsnamen; es ist üblich als Chinese einen westlichen Namen anzunehmen um im kontakt mit Ausländern für weniger Verzweiflung bei der dauerhaften Korrekur der Aussprache zu sorgen. Viele Besucher Chinas nehmen auch einen chinesischen Namen an um ebenfalls der Kultur und den Menschen etwas entgegen zu kommen. Auch ich habe einen chinesischen Namen angenommen, tue mich in der Aussprache und Schrift jedoch so schwer, dass ich dringend eine neue Kurzform für diesen brauche. Hoffentlich ergibt sich in den nächsten Tagen eine Gelegenheit mir einen Namen auszusuchen den ich mir wenigstens ganz merken kann :D

Vom Flughafen haben wir uns auf den Weg zum Campus der Qingdao University of Science and Technology gemacht, mein Studien- und Wohnort für die nächsten Monate. Nachdem wir meine Sachen schnell in einem (meinem) Zimmer einer 3er-WG abgelegt haben, ging es auch schon direkt weiter ohne jemanden in der Wohnung anzutreffen. Den Rest des Tages haben wir dann mit organisatorischen Angelegenheiten verbracht die ich vermutlich ohne die Hilfe der beiden NIE geschafft hätte: Handyvertrag, Bankkonto, WeChat und seine Funktionen und selbst das Einkaufen sind mit quasi null Sprachkenntnissen doch eine große Herausforderung...

Nach einem gemeinsamen Essen und dem Vorstellen der ersten Professoren trennten sich dann unsere Wege für heute und ich hatte genug Zeit meine Koffer auszupacken und mich in meinem gar nicht so kleinen aber feinen Zimmer einzurichten. Morgen gehts dann weiter... ich bin nach den heutigen ersten Eindrücken echt nervös was alles noch auf mich zu kommt. Meine Mitbewohner konnte ich übrigens bis jetzt leider immer noch nicht kennenlernen.

Mit erschöpften Grüßen

Euer Kristian

 

 

 

01März
2019

Bald geht es los

Dies ist der erste Eintrag in meinem Blog über mein Auslandssemester in Qingdao. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten. Da ich noch nicht sicher weiß, was mich erwartet, werden meine Einträge vermutlich sehr unregelmäßig erscheinen ... Ich werde mir jedoch Mühe geben, so oft wie möglich von meinen Erlebnissen zu berichten und alle Interessenten auf dem neuesten Stand zu halten :P 

Da es am 3.3. von Frankfurt aus losgeht, bin ich aktuell hauptsächlich damit beschäftigt meine Sachen zu packen und gebe mir Mühe möglichst wenig zu vergessen. 

Ich freue mich schon sehr auf die Reise und hoffe auf viele interessante Erlebnisse und neue Erfahrungen und vielleicht einen kleinen Kulturschock :P

Mit vorfreudigen Grüßen

Euer Kristian